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35. Eickelborner Fachtagung zu Fragen der Forensischen Psychiatrie

Programm: Mittwoch, 2.3.2022

Moderation: Bernd Wallenstein

10:30 | Öffnung der Anmeldung

11:00 | Öffnung des Tagungsbüros

Tilmann Hollweg

LWL-Maßregelvollzugsdezernent

Gudula Hommel

Leitende Ministerialrätin

Arne Moritz

Bürgermeister der Stadt Lippstatt

Hauptvortrag

Hauptvortrag

Professionelle Beziehungsgestaltung ist gerade wegen der langen Behandlungszeiten immer wieder eine Herausforderung für Mitarbeitende aller Berufsgruppen. Zu große Distanz oder Ablehnung gegenüber den Patient:innen ist problematisch, zu große ins Private gehende Nähe ist wegen der damit verknüpften Grenzvermischungen noch problematischer und auch von juristischer Relevanz.

Dass zärtliche bis hin zu sexuellen Gefühlen zwischen Patient und Mitarbeitenden entstehen, gehört zu den existenziellen Grunderfahrungen mitmenschlicher Begegnungen. Professionalität bedeutet aber klares Nicht-Eingehen intimer Beziehungen und entsprechendes Bearbeiten der affektiv angestrebten Grenzverletzung. Ärzt:innen und psychologische Psychotherapeut:innen müssen bei sexuellen Beziehungen mit Patient:innen berufs- und strafrechtliche Konsequenzen befürchten, Kolleg:innen anderer Berufsgruppen sind nur durch entsprechende Dienstanweisungen oder Dienstvereinbarungen juristisch zu korrektem Verhalten zu verpflichten.

Die Team- und Supervisionskultur forensischer Teams sollte es ermöglichen, zu sehr ins Private gehende Gefühle zwischen Patient:innen und Mitarbeitenden verständnisvoll und transparent anzusprechen.

Kaffee, Kuchen, Kaltgetränke im Außenzelt

Pause

Eine Stunde bis zur nächsten Veranstaltung

Zwei Kaffeetassen mit Sprechblasen (Grafik: designed by justicon from Flaticon)

Hauptvortrag

In den letzten Jahrzehnten ist das Wissen um die Bedingungsfaktoren von Rückfalldelinquenz deutlich gestiegen. Mittlerweile liegen zahlreiche Instrumente vor, um beispielsweise das Risiko erneuter Gewaltdelikte abzuschätzen. Die Anwendung solcher Verfahren trifft in der Praxis nicht selten auf Vorbehalte. Danach könnten Beurteilungsskalen dem Einzelnen gar nicht gerecht werden; der Schluss von Stichprobendaten auf Einzelfälle sei unzulässig; oder der Vorhersagefehler sei so groß, dass Prognosen letztlich spekulativ bleiben müssten.

Im Vortrag soll verdeutlicht werden, warum eine kriteriengeleitete, strukturierte und empirisch fundierte Prognostik dennoch die beste Möglichkeit darstellt, Lockerungs- und Entlassungsentscheidungen zu treffen. Eine Methode zur Beschreibung des relativen Risikos wird vorgestellt. Dadurch kann die Kluft zwischen Stichprobendaten und den Besonderheiten des Einzelfalls überbrückt werden.

Hauptvortrag

Recovery als personenbezogenes Modell, das Partizipation, Hoffnung und Selbstwirksamkeit als zentrale Größen beinhaltet, könnte auch für Patient:innen in forensischen Kliniken ein Modell sein, das bei der Reintegration in die Gesellschaft nutzbringend sein kann. Nun stellt sich die Frage, ob die Grundprinzipien des Recovery-Ansatzes mit den Grundsätzen des Maßregelvollzuges zu vereinbaren sind? Dieser Frage wird im Vortrag nachgegangen.

Adresse

Restaurant „Cosacks Brennerei“
Gut Mentzelsfelde 8 u. 9
59555 Lippstadt