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35. Eickelborner Fachtagung zu Fragen der Forensischen Psychiatrie

Programm: Freitag, 4.3.2022

Moderation: Bernd Wallenstein

Hauptvortrag

In Ergänzung zu dem Vortrag während der letzten Fachtagung wird die derzeitige schwierige Gemengelage im Maßregelvollzug an einzelnen Fallvorstellungen und Kasuistiken konkretisiert. Diese Kasuistiken beziehen sich insbesondere auf die Behandlungsfelder, die den Referenten letztes Jahr sehr beschäftigten.

Dazu gehört besonders die Erledigung/Entlassung mit (oder ohne) Auflagen und Weisungen, die entweder aus juristischen Gründen nicht mehr angeordnet werden dürfen (z. B. Medikationseinnahme) oder eine Zustimmung zu Weisungen durch die Patient:innen mit dem Ziel, eine rechtskräftige Entlassung zu erreichen, um dann diese Zustimmung wieder zurück zu nehmen (z. B. Salvacyltherapie Wohnsitznahme in einer komplementären Einrichtung), da diese Weisungen nicht „strafbewehrt“ sind.

  • Differenzierte Gefährlichkeitsbeurteilung/Prognoseeinschätzung bei Entlassung gefährlicher Patienten aus juristischen Gründen. Wer hat den schwarzen Peter? Wer wird im Zweifelsfall verantwortlich gemacht?
  • Schwierigkeiten/zeitliche Latenzen bei der Umsetzung der Zwangsmedikation zur Erreichung der Entlassfähigkeit gem. § 17a Abs. 2 1. Alt. MRVG NRW. Ab wann besteht wieder Einsichtsfähigkeit bzw. ist eine freiwillige Medikamenteneinnahme anzunehmen?

Hauptvortrag

Aus einer psychiatrischen Diagnose allein lässt sich keine Risikoprognose ableiten. Aggression hat auch bei Personen mit Schizophrenie Spektrum Störungen (SSS) heterogene Gründe. Diese unterschiedlichen Wege in Straffälligkeit müssen bei der Fallkonzeption, der Behandlungsplanung und den langfristigen Risikomanagement-Strategien berücksichtigt werden.

Nur ein Teil der forensischen Patienten mit SSS entspricht der Gruppe von Betroffenen, für die Leitlinien der Behandlung entwickelt wurden. Die Mehrheit der Täter:innen mit SSS zeigt therapieerschwerende Probleme wie neurokognitive Beeinträchtigung, hohe Rate von Nebenwirkungen bei psychopharmakologischer Behandlung, anhaltende positive Symptome, Substanzmissbrauch, allgemein störende Verhaltensauffälligkeiten bis hin zu komorbider antisozialer Persönlichkeitsstörung und Psychopathie und Stresserfahrungen im Erwachsenenalter.

Das Zusammenspiel all dieser Faktoren führt zu einer mangelnden Adhärenz an die Therapie als einem der wichtigsten Risikofaktoren für den Rückfall in die Psychose und Delinquenz. Die optimale Behandlung von psychotischen Straftäter:innen sollte all diese Probleme berücksichtigen, indem sie diese als Hemmnisse versteht und deren Überwindung ins Zentrum der Behandlungsplanung rückt. Dabei gilt es, die früheren Erfahrungen der Patient:innen einzubeziehen, um durch effektive Motivationsarbeit das Behandlungsergebnis zu verbessern und das Maßregelziel zu erreichen.

Kaffee, Kuchen, Kaltgetränke im Außenzelt

Pause

eine Stunde bis zur nächsten Veranstaltung

Zwei Kaffeetassen mit Sprechblasen (Grafik: designed by justicon from Flaticon)

Hauptvortrag

Dissoziales/antisoziales Verhalten findet sich bei einem Teil von Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung. Dies macht sie für Psychotherapeut:innen oft zu Patient:innen, die sie nur ungern behandeln. Im Vortrag wird aufgezeigt, wie ein konstruktiver und durchaus erfolgversprechender Umgang mit diesen Patient:innen möglich ist.

Hauptvortrag

Zwischen 2007 und 2019 ist die Gewalt in Deutschland von zwei Trends geprägt. Erstens: Je schwerer die Gewalt, umso mehr hat sie abgenommen. Zweitens: Je jünger die Altersgruppe, umso stärker ist der Rückgang ausgefallen. Der zentrale Einflussfaktor ist hier der seit den achtziger Jahren zu beobachtende Wandel der elterlichen Erziehung zu mehr Liebe und weniger Hiebe. Außerdem haben sich parallel dazu die Therapieangebote für psychisch stark belastete Menschen stark erhöht und von der Erfahrung sozialer Gerechtigkeit sind präventive Effekte ausgegangen.

Die Pandemie hat nun allerdings in den letzten beiden Jahren das Risiko innerfamiliärer Gewalt deutlich erhöht. Hinzu kommen wachsende Probleme mit psychisch auffälligen Straftätern:innen. Die Frage stellt sich deshalb, wie darauf reagiert werden sollte.

Warmer Imbiss im Außenzelt

Guten Appetit!

... und gute Heimreise!

Ein Teller mit Besteck. (Grafik: designed by justicon from Flaticon)