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35. Eickelborner Fachtagung zu Fragen der Forensischen Psychiatrie

Vorträge im Festsaal

Moderation Vormittag: Axel Häbler
Moderation Nachmittag: Dr. Catia M. Loddo

Vortrag

Die forensische Welt ist, was der Fall ist: Maßregelpraxis ist eine männlich strukturierte. Zwar gibt es weibliche Untergebrachte, mitnichten jedoch eine definierte, eine spezialisierte Frauenforensik als solche. Kurz: Es gibt kein genderspezifisches Bewusstsein der Institution ›Maßregelvollzug‹.

… was auch eine Falle ist: Zwar ist Frau als Täterin medial ‚in’, doch irrlichtert allenthalben ihr populärwissenschaftliches Zerrbild als Personifizierung des Bösen, als grausame Frau, als Psychopathin, als fatale Mörderin, als unglücklich agierendes Opfer. Solch plakative Miniaturen sind kein ‚Debugging’, dienen weder der Klärung noch Erklärung oder Aufklärung. Ihr Mix aus Psycho- und Gendertainment funktionalisiert Skandalisierung, Profanisierung, Stereotypisierung, unterstützt Verklärung und Diskriminierung.

Der Fall ist das Tatsächliche: Wer in der freiheitsentziehenden Unterbringung – konzeptionell, institutionspolitisch, therapeutisch – unreflektiert auf der Strecke bleibt, sind die konkreten Frauen an sich. Was weithin strukturell, wissenschaftlich, praktisch ignoriert wird, sind fraueneigene Bedarfe im Klinikalltag, in Behandlungsroutinen, in Prognoseschemata.

Das Bild solcher Tatsachen ist Maßstab der Wirklichkeit: Worin das generelle Manko besteht, ist (no pain no gain) eine fundierte interdisziplinäre Anstrengung zur Entwicklung genderforensischer
Modellvorstellungen.

Vortrag

Die genderspezifische Therapie rückt in den Fokus der Aufmerksamkeit [s.a. Ulrich Kobbé (Hrsg.), Lilith im Maßregelvollzug -Ein frauenforensischer Praxisreader. Pabst Science Publishers 2019]. Früher wurden Medikamentenstudien meist mit jungen, gesunden Männern durchgeführt. Es mehren sich jetzt die Nachweise von physiologischen Unterschieden z.B. bei der Aktivität von Stoffwechselenzymen. Die resultierenden pharmakokinetischen Risiken spielen eine zentrale Rolle in der medikamentösen Langzeitbehandlung, wie sie auch gerade viele der in der Forensik untergebrachten Frauen betrifft.

So führt geringere Aktivität des Enzyms CYP2D6 bei Frauen zum häufigeren Auftreten von unerwünschten Wirkungen bei Substraten von CYP2D6, wie Haloperidol, Risperidon, Venlafaxin u.v.a. im Vgl. zu Männern. Das Therapeutische Drug Monitoring (TDM) ist hier ein unerlässliches Hilfsmittel, um diese Probleme aufzudecken. Ein anderes Thema ist die hormonelle Kontrazeption: hier ist von extremer Bedeutung die Überprüfung der Komedikation auf potenziell interagierende Effekte, die die Wirksamkeit der Kontrazeptiva reduzieren oder aufheben können.

In diesem Beitrag geht es um spezifisch frauenrelevante Themen in der Pharmakotherapie, damit die Akzeptanz der Medikamente durch die Patientinnen verbessert und deren Behandlungssicherheit erhöht werden kann.

Vortrag

Während Gewaltkriminalität prinzipiell ein männliches Phänomen darstellt, werden mit Gewalttäterinnen Partnergewalt, Kindesmisshandlung, institutionelle Gewalt assoziiert. Bei den in der Frauenforensik Taufkirchen untergebrachten Patientinnen mit versuchten oder vollendeten Tötungsdelikten stammten nur 10 Prozent der Opfer nicht aus dem sozialen Nahraum.

Daneben spielt institutionelle Gewalt auch bei den Maßregelvollzugspatientinnen in Taufkirchen dahingehend eine Rolle, dass einerseits die Anlassdelikte in akutpsychiatrischen Krankenhäusern oder Soziotherapeutischen Einrichtungen stattfanden. Andererseits fallen unter die gemeldeten schwerwiegenden besonderen Vorkommnisse während forensischer Unterbringung neben Suizidversuchen und Brandlegungen in erster Linie Aggressionshandlungen.

Oben Dargestelltem wird durch spezifische Behandlungskonzepte Rechnung getragen, die vorgestellt werden.

Kaffee und Kaltgetränke im Außenzelt

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Zwei Kaffeetassen mit Sprechblasen (Grafik: designed by justicon from Flaticon)

Vortrag

Seit 30 Jahren wird in der LWL-Universitätsklinik Bochum auch integrierter Maßregelvollzug betrieben. Anfangs handelte es sich um wenige „eingestreute“ Patient:innen, diese wurden im Verlauf auf eine Station konzentriert, zunächst noch mit allgemeinpsychiatrischen Patient gemischt.

Seit nunmehr acht Jahren wird die Station als reine MRV-Station betrieben. In einem offenen Behandlungskonzept werden 14 Patient:innen beiderlei Geschlechts mit vorwiegend Erkrankungen aus dem schizophrenen Formenkreis, oft mit komorbiden Suchterkrankungen oder Persönlichkeitsstörungen behandelt.

In dem Beitrag soll ein wenig die Geschichte der Station dargestellt werden. Das Konzept wird näher erläutert sowie Anhand von ausgewählten Kasuistiken verdeutlicht werden.

Vortrag

Im Regelfall erfolgt die Behandlung von Maßregelvollzugspatient:innen in Westfalen-Lippe von der
Aufnahme bis zur Entlassung in den LWL-Maßregelvollzugskliniken. Allerdings werden knapp 1/5 aller Maßregelvollzugspatient:innen im Bereich des LWL nach dem Beginn der Behandlung in einer Maßregelvollzugsklinik in einer der allgemeinpsychiatrischen Kliniken des LWL-PsychiatrieVerbundes weiterbehandelt. Verlegungen aus den hochgesicherten Maßregelvollzugskliniken in LWL-Kliniken erfolgen nach sorgfältiger fachlicher Prüfung aufgrund des erreichtenTherapiefortschritts und Delikthintergrundes.

In der alltagsnäheren, aber dennoch kontrollierten Umgebung einer allgemeinpsychiatrischen Klinik des LWL-PsychiatrieVerbundes werden die Patienten auf die Weiterbetreuung durch nachsorgende Einrichtungen als abschließenden Therapieschritt vorbereitet. Auch diese weitergehende Rehabilitation findet vielfach in Einrichtungen und Diensten des
LWL-PsychiatrieVerbundes statt.

Der Vortrag stellt die Rahmenbedingungen der forensischen
Behandlung in den LWL-Kliniken des LWL-PsychiatrieVerbundes Westfalen (sog. integrierter Maßregelvollzug) vor. Darüber hinaus werden Datenauswertungen zum integrierten Maßregelvollzug aus dem Referat Versorgungs- und Qualitätsmanagement vorgestellt.

 

Vortrag

Bundesweit ist aktuell ein Anstieg der Unterbringungszahlen in der Forensik zu beobachten. Vielerorts nehmen neben den Unterbringungen nach § 64 StGB auch die einstweiligen Unterbringungen gemäß § 126a StPO deutlich zu. Bei der Lektüre mancher Polizeiberichte in den Tageszeitungen könnte man den Eindruck gewinnen, nahezu jede(r) einer Gewalttat Verdächtige würde „in die Psychiatrie" eingeliefert.

Werden aus den einstweiligen Unterbringungen im Ergebnis denn Unterbringungen nach § 63 StGB (oder auch § 64 StGB) und woran kann es liegen, wenn dem nicht so ist? Was sind die Gründe für die Zunahme? Gibt es gar eine „Forensifizierungswelle“?

Der Beitrag untersucht, insbesondere, aber nicht ausschließlich, anhand von Zahlen und unter Darstellung ausgewählter Einzelfälle aus Bayern aus fachaufsichtlich-juristischer Perspektive das Phänomen der Zunahme der einstweiligen Unterbringungen und beschäftigt sich mit den Besonderheiten der Unterbringung gemäß § 126a StPO.

Warmer Imbiss im Außenzelt

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Ein Teller mit Besteck. (Grafik: designed by justicon from Flaticon)

Vortrag

Die in Nordrhein-Westfalen zwischenzeitlich enorm gestiegenen Erledigungsbeschlüsse der Gerichte haben zunächst zu leicht rückläufigen Bestandszahlen im Bereich des § 63 StGB geführt. Aufgrund eines gleichzeitig starken Anstieges der § 126a StPO-Anordnungen fiel dieser Rückgang nicht nur deutlich geringer aus als erwartet: auch die Entlassungen sind 2020 erkennbar rückläufig: alles nur einmalige Sondereffekte der Novellierung?

Im Vortrag wird die erstaunlich hohe Divergenz der Entscheidungspraxis der Gerichte dargestellt, die dem Gleichheitserfordernis (Art. 3 Abs. 1 GG) widerspricht. Massive Probleme bei Überleitung und Nachsorge u.a. durch eingeschränkte führungsaufsichtsrechtliche Handlungsinstrumente und Versorgungsdefizite der Eingliederungshilfe führen zu (häufig mehr als) suboptimalen Patientenbetreuungen.

Weiterhin verbleiben zu viele Patient:innen im Maßregelvollzug aufgrund fehlender adäquater Anschlussbetreuung. Vorgeschlagen wird auch, vermehrt primäre Aussetzungen gemäß § 67b StGB (unter Einbezug der Gerichtshilfe) anzustreben. Bereits während der vorläufigen Unterbringung sollten dabei alternative Betreuungsformen im Rahmen des § 116 StPO erprobt werden. Hier hätten Forensische Ambulanzen originäre und lohnenswerte Einsatzfelder.

Vortrag

„Abstand halten“ ist das Gebot, seitdem die Coronavirus Pandemie Deutschland im Februar 2020 erreicht hat. Von einem auf den anderen Tag wurden bewährte Behandlungsstrategien in der forensisch-psychiatrischen Nachsorge „heruntergefahren“.

Anfangs äußerten Patient:innen gegenüber den Ambulanzmitarbeitern: „Endlich Ruhe!“ Es folgte eine Zeit der Ausgangsverbote in Wohnheimen, Schließung der Werkstätten und Besuchsverbote. Vielfach war nun von Patient:innen zu hören „Wie langweilig“. In dieser Zeit waren Mitarbeit:innen kreativ bemüht: Viele Telefonate, Videokonferenzen, Gespräche mit Abstand und Mundschutz. Vermehrt kam es zu Krisen und Rückfallen und erneuter stationärer Behandlung.

Im Vortrag werden Fallbeispiele vorgestellt, die einen Austausch über Erfahrungen und Strategien in der Zusammenarbeit in der komplementären Nachsorge darstellen.

Vortrag

Die Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes stellt für alle Beteiligten eine enorme Herausforderung dar. Der Paradigmenwechsel in der Eingliederungshilfe ist kein Selbstläufer, sondern bedeutet einen beträchtlichen Zeitaufwand sowohl für die Gemeindepsychiatrie als auch für den Maßregelvollzug.

Lohnt diese Umstellung? Die Umsetzung des BTHG eröffnet einen Zwiespalt: Die ethisch wie fachlich zweifellos anzustrebende Umsetzung der normativen Vorgabe der Förderung von Eigenverantwortung und Autonomie riskiert, psychisch kranke Menschen mit komplexem Hilfebedarf und eingeschränkter Einsicht in ihre Erkrankung abzuhängen, wenn sie (krankheitsbedingt) nur schwer oder nicht in der Lage sind, sich als ‚Kunde‘ auf das Hilfeplanverfahren zur Sozialen Teilhabe einzulassen.

Welche Veränderungen durch das BTHG für den gesamten Personenkreis der psychisch kranken Menschen, inklusive der Menschen, die aus der Forensik in das Gemeinwesen zurückkehren, entstehen, soll anhand der Erfahrungen der Integration der forensischen Patient:innen in den Gemeindepsychiatrischen Verbund in Stuttgart (und die dafür erforderlichen Bedingungen) dargestellt werden.

Kaffee und Kaltgetränke im Außenzelt

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Vortrag

Vortrag

Es ist fachlicher Konsens und allgemeine Praxis, dass forensisch-psychiatrische Beurteilungen und Entscheidungen diskursiv und systematisch-analytisch erarbeitet werden, z.B. im Rahmen von
theorie-basierten klinischen Individualprognosen und empirisch-basierten Prognose-Ratings.

Dennoch stellt sich die Frage, ob bzw. wann intuitive Erkenntnisse des Beurteilers einfließen und inwieweit sie erkennbar und steuerbar sind, wann sie eher hinderlich oder förderlich sein können. Die Verneinung verdeutlicht es: Forensisch-psychiatrisches Handeln ohne Intuition macht Bauchschmerzen.

Wie ist es also mit dem intuitiven Bauchgefühl? Und welche Rolle haben einfache, evolvierte Denk- oder Handlungs-Formeln, sog. Heuristiken, als Entscheidungs-Schemata im forensisch-psychiatrischen Kontext. Sind sie Grundlage von Expert:innen-Intuition?

 

Vortrag

Eine hohe Zahl forensischer Patienten, die nach § 63 StGB untergebracht sind, haben Doppeldiagnosen, d.h. neben den klassischen psychiatrischen Erkrankungen besteht eine Abhängigkeitserkrankung. Ihr Suchtmittelkonsum führt häufig zu massiven Problemen in der Behandlung oder ist für externe und interne Kriseninterventionen mitverantwortlich.

Die Klinik für forensische Psychiatrie und Psychotherapie in Wiesloch entwickelte als Antwort auf diese Herausforderung ein multimodales Konzept. Dies beinhaltet medikamentöse, fach- und psychotherapeutische Interventionen. Das Herzstück bilden vier aufeinander abgestimmte Suchtgruppen auf mehreren Stationen im Sicherheits- und Rehabereich der Klinik, die gewährleisten, dass Patienten mit Abhängigkeitserkrankungen kontinuierlich und stationsunabhängig im Gruppensetting an ihrer Erkrankung arbeiten können.

 

Guten Appetit!

Vorträge im Forum (Raum 209)

Moderation Vormittag: Michael Hökenschnieder
Moderation Nachmittag: Lutz Thomas Werner

Vortrag

Forensisches Arbeiten erfordert häufig den Einsatz deeskalierender Maßnahmen. Neben klassischen Face-to-face-Interventionen besteht zunehmend häufiger auch Bedarf an Methoden und Angeboten aus dem Bereich der Mediations- und Konfliktklärung, die genauer die zugrundeliegenden Ursachen und Motive eines Konfliktes bei allen Beteiligten „unter die Lupe“ nehmen.

Die gewaltfreie Kommunikation bietet dazu Lösungen an, die gerade im forensischen Kontext gut umgesetzt werden können. Neben einer kurzen Einführung zur gewaltfreien Kommunikation stellen die Autoren auch aktuelle Modelle sowie eigene Erfahrungen zum Thema Konfliktklärung vor. Die im Vortrag v.a. theoretisch vermittelten Inhalte können in der Arbeitsgruppe weiter vertieft und praktisch ausprobiert werden.

Vortrag

Aggression gilt meist als zerstörerische Kraft, obwohl sie potenziell eine wertvolle Ressource darstellt. Die körperorientierte Aggressions-Dialog-Arbeit macht die in destruktiven Handlungsmustern vorhandenen Energien bewusst. Sie zielt darauf, die Kraft der Aggression zu »entgiften« und konstruktiv nutzbar zu machen.

Die Methode hat sich sowohl in der Gruppenarbeit mit Patient*innen, als auch für therapeutisches Personal im forensischen Klinikrahmen bewährt. Sie ermutigt Menschen zur Begegnung mit schwierigen Gefühlen, steigert das Empfinden von Selbstwirksamkeit und eröffnet neue Wege der Konfliktlösung.

Thomas Scheskat stellt die Idee zur Transformation von Aggression anhand dialogisch-körperbasierter Übungssettings in Wort und Bild vor. Er erläutert die zugrundeliegenden Prinzipien und stellt Praxisfelder vor, in denen der Ansatz erfolgreich ist.

 

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Vortrag

Durch das besondere Setting im Maßregelvollzug, aus dem die Autoren auch kommen, sind sie täglich mit Macht konfrontiert. Dabei haben sich Fragen herauskristallisiert. Um der wachsenden Verantwortung im Behandlungsprozess gerecht zu werden, setzten die Mitarbeiter:innen im Pflege- und Erziehungsdienst unterschiedliche Interventionen im Stationsalltag ein. Dabei werden unterschiedliche Machtinstrumente verwendet wie z.B. ein Schlüssel, die Stationsregeln oder Lockerungen.

Die Mitarbeiter:innen müssen täglich neue Entscheidungen im Rahmen ihres professionellen Selbstverständnisses treffen; die auch eine Machtausübung beinhalten. Die professionelle Beziehungsarbeit mit der/dem Patient:in geht automatisch mit einer Machtbeziehung einher: Im Zwangskontext können die Mitarbeiter:innen ihre Macht entweder missbrauchen oder verantwortungsvoll einsetzen.

Ein verantwortungsvoller Umgang mit Machtinstrumenten ist eine wichtige Grundbasis/Voraussetzung zur Entscheidungsfindung. Totale Institutionen wie eine Maßregelvollzugsklinik begünstigen Machtverhältnisse. Es ist wichtig, dass die Mitarbeiter:innen sich ihrer Macht bewusst sind, um diese verantwortungsvoll und produktiv einsetzen zu können.

Vortrag

Ausgehend von den Persönlichkeits-, Wahrnehmungs- und Interaktionsbesonderheiten von Menschen mit ASS werden Grundlagen der Behandlung erläutert. Mit Bezug auf forensische Kliniken soll aufgezeigt werden, welche strukturellen und personellen Bedingungen notwendig sind, um diesen Patienten gerecht zu werden. Dabei wird insbesondere auf verhaltenstherapeutische Methoden und deren individualisierte Anwendung durch alle Mitarbeitergruppen des therapeutischen Teams fokussiert.

Anhand der mehrjährigen Erfahrungen in der Behandlung dieser Patientengruppe in Ueckermünde kann aufgezeigt werden, dass es zwingend erforderlich ist, in einem kleinen Bereich stabile Rahmenbedingungen, ausreichend speziell geschulte Behandler und möglichst geringe personelle Veränderungen bei Mitpatient:innen und Mitarbeiter:innen vorzuhalten. Nur mit diesem hohen Aufwand kann man den Therapieauftrag erfüllen, die Kriminalprognose verbessern und Rehabilitationshindernisse überwinden.

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Vortrag

Im Strafprozess - dem überwiegenden Tätigkeitsfeld rechtsmedizinischer Sachverständiger - verbleibt der Sachverständige in der instrumentalen Funktion, im Rahmen seiner Beauftragung dem Gericht das Fachwissen seiner Disziplin zu vermitteln. Ähnliches gilt natürlich auch für andere juristische Gebiete, zu denen Rechtsmediziner Aufträge erhalten. Aus dieser Bestimmung als „Gehilfe“ des Gerichts folgen die grundlegenden Aussagen des Gesetzes, dass der Richter seine Tätigkeit ,,anleitet“ (§ 71 StPO) und ein Sachverständiger, wenn er die ihm auferlegte Objektivität nicht wahrt, wie ein Richter wegen Besorgnis der Befangenheit abgelehnt werden kann (§ 74 StPO).

Wissen das auch andere medizinische Fachgebiete, wenn sie als Sachverständige zeugen oder Sachverständige geladensind? Wo sind die Grenzen des Gutachters im Prozess, in seinem Fachgebiet? Was sagt die aktuelle Weiterbildungsordnung dazu?

- Und last but not least: Reden wir wirklich Klartext?

Vortrag

In der Thematik der Reizabschirmung gewinnt die Reizregulierung zunehmend an Bedeutung. Der Einsatz einer Medienwand bei Isolationen steht für die Reizregulierung.

Die Methode: Es wurden fünf halbstrukturierte Interviews durchgeführt und inhaltsanalytisch ausgewertet.

Die Ergebnisse und Schlussfolgerungen: Die Studienteilnehmenden äußerten, dass die Nutzung der Medienwand während einer Isolation ihre Sinne anregt, Sehnsucht und Hoffnung weckt. Trotz des vielfältigen Angebotes der Medienwand nutzten sie es selektiv und zeigten eine starke Tendenz zur Selbstkontrolle.

Die Idee der Reizabschirmung als Heilmittel muss nach dem gegenwärtigen Stand der Ergebnisse aufgegeben werden. Die Idee einen Rahmen zu schaffen, in dem dosierte Anreize eine Reizregulation durch den Patienten erst ermöglichen, kann durch technische Möglichkeiten - auch in Extremsituationen - genutzt werden.

Kaffee und Kaltgetränke im Außenzelt

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Vortrag

Der Mangel an medizinischem Fachpersonal wird in Bezug auf alle Professionen seit Jahren in Deutschland diskutiert. Die Debatte hat sich durch die Corona-Pandemie noch einmal verschärft und der Wunsch nach einer qualifizierten Lösung wächst. Kreative Ideen zum Abmildern des Pflegenotstandes gibt es viele. Entscheidend für deren Umsetzungserfolg dürfte neben personen- und setting-bezogenen Aspekten auch die Anpassung an internationale Standards* sein.

Ausgehend von dem Praxisprojekt Differenzierung und Vielfalt in der Pflege in den forensischen Kliniken des LWL hat sich das LWL-ZFP Lippstadt für einen neuen Weg in Bezug auf den Einsatz akademisierter Mitarbeiter:innen des Pflege- und Erziehungsdienstes entschieden: So findet eine internationale Angleichung und damit eine Unterscheidung zwischen Pflegespezialist:innen und Pflegeexpert:innen mit unterschiedlichen Aufgabenbereichen statt.

Der Vortrag informiert über die jeweiligen Funktionen sowie den Einsatz von Pflegeexpert:innen am LWL-ZFP Lippstadt.

*Geißler, D.; Klink, B.; Müller-Wolff, T.; Nestler, N. (2021): Klinische Pflege braucht akademische Qualifikation. Gemeinschaftsprojekt von RKH und PMU erweitert Pflegeaufgaben. In: Die Schwester Der Pfleger; 2021 (6), S. 54-59.

Vortrag

(+ Posterpräsentation)

Es ist eine traurige Wahrheit, dass Mitarbeiter:innen in psychiatrischen und forensischen Einrichtungen von den von Ihnen zu versorgenden Patient:innen beleidigt, bedroht oder auch tätlich angegriffen werden. Ebenso kommt es zu Erfahrungen mit Gewalt, etwa in Form von Auseinandersetzungen zwischen Patient:innen oder suizidalen Handlungen von Patient:innen, und zu Erfahrungen mit lebensbedrohlichen Situationen in der Form von Bränden.

All diese Erlebnisse gehören nicht in die Normalität – und sollten es auch nicht. Jedoch gehören sie leider zur Realität im klinischen Alltag und können zu Konsequenzen für den weiteren Berufs- bzw. Lebensweg führen. Die Kollegiale Hilfe ist ein Hilfesystem bestehend aus Mitarbeiter:innen aller Berufsgruppen, die es sich auf freiwilliger Basis der Aufgabe verschrieben hat, Kolleg:innen, die belastende Erlebnisse im Arbeitsalltag erlebt haben, zu unterstützten.

In diesem Vortrag wird das Augenmerk gerichtet auf die vielen belastenden Situationen, der Mitarbeiter:innen im klinischen Alltag ausgesetzt sind. Dabei werden vor allem die psychischen Auswirkungen beleuchtet. Am Beispiel der Arbeit der Kollegialen Hilfe im LWL-Zentrum für forensische Psychiatrie wird aufgezeigt, wie ein solches Hilfesystem dabei helfen kann, mögliche Langzeitfolgen zu vermeiden.

Guten Appetit!

Arbeitsgruppen

Parallel laufende Arbeitsgruppen
am Vormittag (Beginn jeweils 9 Uhr)
und am Nachmittag (Beginn jeweils 14 Uhr)

Arbeitsgruppe, 9 Uhr

Viele Organisationen sind erstarrt in Prozessen und Strukturen, die den Mitarbeitenden jegliche Freiheit und Experimentierfreude nehmen. In diesem Workshop lernen Sie die Prinzipien und die Herkunft agiler Führung kennen. Sie erhalten innovative Impulse für Ihre Führung und Tipps für methodische Vorgehensweisen im Team. Dabei berücksichtigen wir auch die unterschiedlichen Generationen von xyz, die in der Zusammenarbeit Herausforderungen und Chancen gleichzeitig bieten.

Arbeitsgruppe, 9 Uhr

Rechtliche Möglichkeiten und Grenzen von Weisungen im Rahmen der Führungsaufsicht

Nach der Novellierung des Rechts der Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus gemäß § 63 StGB geraten die zahlreichen Weisungen in der Ausgestaltung der Führungsaufsicht zunehmend in den Fokus der Behandler. In diesem Workshop sollen neben den vielfältigen Möglichkeiten ebenso die Grenzen unter anderem in Bezug auf das Abstandsgebot und die Verhältnismäßigkeit von Abstinenzweisungen erarbeitet werden.

Neben der Darstellung der aktuellen Gesetzeslage soll an Fallbeispielen erörtert werden, welche Weisungen zielführend und rechtlich umsetzbar sind und welche Relevanz vor dem Hintergrund der Erledigung der Maßregel wegen Wegfalls der Voraussetzungen oder Unverhältnismäßigkeit dem Entlassungsmanagement zukommt.

Arbeitsgruppe, 9 Uhr

In den letzten Jahren ist die forensische Psychiatrie bundesweit starken Veränderungsprozessen unterworfen. Beispielhaft können hier die Regelungen für Zwangsmedikation, Ausgangsregelungen oder Fixierungen genannt werden. Für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben sich dadurch die Strukturen und Prozesse teilweise dramatisch verändert – mit unabsehbaren Folgen für die Zukunft.

In einem interaktiven Workshop möchten Daria Olsen und André Müller die Teilnehmenden auf eine Reise in die Zukunft mitnehmen. Was kommt auf uns zu? Wie wirken sich diese Prozesse auf mich und die Organisation meiner Arbeit aus? In einem klar formulierten Ablauf soll jede/jeder die Gelegenheit bekommen, sich den Rahmenbedingungen und eigenen Möglichkeiten in dieser Gemengelage bewusst zu werden und eigene Verhaltensstrategien zu erarbeiten. Es geht um einen konstruktiven und sinnvollen Blick nach vorne, der es allen Beschäftigten forensischer Abteilungen ermöglicht, positiv und sinnvoll ihrer Arbeit nachgehen zu können.

Arbeitsgruppe, 9 Uhr

Der Workshop gibt Einblicke in die Arbeit der Seelsorge im Maßregelvollzug. Vermittelt werden Grundlagen des Auftrags der konfessionsgebundenen Seelsorge und deren Umsetzung im System der forensischen Psychiatrie am Beispiel des LWL-Zentrums für Forensische Psychiatrie Lippstadt.

 

Arbeitsgruppe, 9 Uhr

Pflegeplanungen spielen im Rahmen professioneller forensischer Pflege und Pflegeprozessgestaltung eine große Rolle. Gleichzeitig scheint dies oftmals ein eher schwieriges und „unbeliebtes“ Thema zu sein, dessen Notwendigkeit häufig diskutiert wird.

In unserer Praxis zeichnete sich ein Bedarf an Unterstützung und Beratung der Pflegenden in der Arbeit mit den Maßregelvollzugspatienten und den entsprechenden Pflegeplanungen ab. Mit der Implementierung eines Konzepts zum Einsatz von Pflegeexpert:innen orientiert an Advanced Practice Nurse (APN) wurden deshalb pflegerische Fallbesprechungen eingeführt. Diese ermöglichen eine fachliche Weiterentwicklung über die Verknüpfung zum Pflegeprozess und unterstützen gleichzeitig die Implementierung der neuen Rolle der Pflegeexpertin.

In diesem Workshop möchten wir Ihnen gerne das Instrument und die Rolle der Pflegeexpertin vorstellen, unsere Erfahrungen damit aus verschiedenen Perspektiven mit Ihnen teilen und diskutieren.

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Pause

bis der Gong zur Weiterführung der Veranstaltung ruft

Ein Teller mit Besteck. (Grafik: designed by justicon from Flaticon)

Arbeitsgruppe, 14 Uhr

In meinem Workshop werde ich Sie mit Ihrer jetzigen Sicht- bzw. Umgangsweise konfrontieren und mit der Chance der Veränderung vertraut machen. Nutzen Sie die Macht der verschiedenen Methoden, Handlungsabläufe und Worte, die ich Ihnen aufzeigen werde.
Zielführende Überlegungen für diesen Tag sind:
Persönliche Entwicklungsimpulse:

  • Gruppenübungen für Patient:innen. Expertengruppe. Was geht und was nicht?
  • Was kann in einer Krisenzeit mit Patient:innen trotz der Umstände umgesetzt werden?
  • Freude, Spaß, Lebensenergie, neue Impulse und Ideen.
  • Loslassen als Möglichkeit der Veränderung erkennen und umsetzen.

Gruppenbezogene Entwicklungsimpulse:

  • Gruppendynamische Partner:innen - Übungen/Abläufe/Handlungen.
  • Die Teamarbeit als wichtiges Gut erkennen.
  • Stärkung des gesunden Miteinander, fördern und umsetzen.
  • In Handlung und Absprache gehen mit Leichtigkeit und Freude.
  • Ich, Du, Wir sind stark.
  • Transfer in den Alltag schaffen.

Arbeitsgruppe, 14 Uhr

Forensisches Arbeiten erfordert häufig den Einsatz deeskalierender Maßnahmen. Neben klassischen Face-to-face-Interventionen besteht zunehmend häufiger auch Bedarf an Methoden und Angeboten aus dem Bereich der Mediations- und Konfliktklärung, die genauer die zugrundeliegenden Ursachen und Motive eines Konfliktes bei allen Beteiligten „unter die Lupe“ nehmen.

Die gewaltfreie Kommunikation bietet dazu Lösungen an, die gerade im forensischen Kontext gut umgesetzt werden können. Neben einer kurzen Einführung zur gewaltfreien Kommunikation stellen die Autoren auch aktuelle Modelle sowie eigene Erfahrungen zum Thema Konfliktklärung vor. Die im Vortrag v.a. theoretisch vermittelten Inhalte können in der Arbeitsgruppe weiter vertieft und praktisch ausprobiert werden.

Arbeitsgruppe, 14 Uhr

Arbeitsgruppe, 14 Uhr

Das Außengelände einer forensisch-psychiatrischen Klinik: Der erste Eindruck der sich bietet: Beton, Mauern, Kameras. Dahinter liegt meist ein Gelände, das lediglich aus Wiesen und Wegen besteht. Außenflächen anderer psychiatrischer Einrichtungen ergeben häufig einen ähnlich tristen und ungenutzten Eindruck.

Ziel des Workshops ist es, die versteckten Potentiale eines jeden Klinikgeländes anhand von theoretischen Konzepten (z.B. Affordanz, Territorialität u.v.m.) zu entdecken und deren möglichen therapeutischen Nutzen herauszuarbeiten. Darüber hinaus werden die spezifischen Fragestellungen zu den einzelnen Einrichtungen der Teilnehmer berücksichtigt, egal ob es sich um eine Aktionsfläche in einer Kinder- und Jugendpychiatrie, um ein Hochbeet für Kräuter und Gemüse in einer Wohngruppe, oder um den Ruhebereich für chronisch schizophrene Patienten in einer Maßregelvollzugsklinik handelt.

Guten Appetit!